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Hommage an die Menschlichkeit

Praktische Bachelorarbeit

Linda Sperger
SS2026

»Hommage an die Menschlichkeit«

Schwerpunkt Publikationsdesign, Kampagne, Medientheorie

Die Arbeit untersucht die Rückführung der künstlerischen Aura auf das menschliche Subjekt als Widerstand gegen die statistische Gewissheit generativer Künstlicher Intelligenz. Als theoretisches Fundament dienen Walter Benjamins Thesen zur technischen Reproduzierbarkeit sowie Marshall McLuhans Medienanalyse, um die KI-gestützte Bildproduktion parallel als Vollendung der Entfremdung und als radikale mediale Zäsur zu analysieren. Im Zentrum steht die Frage: Kann der normale Mensch heute noch etwas Einzigartiges erschaffen oder greift er zur Künstlichen Intelligenz? In diesem fiktiven Projekt wird die gestalterische Macht bewusst an Laien abgegeben, um in einem sozialen Experiment zu prüfen, ob in einer automatisierten Welt noch Platz für die echte menschliche Aura ist. Hierbei werden die bewusste Aufopferung von Zeit und die materielle Spur als Beweise einer unantastbaren Authentizität verstanden.

Das Projekt entfaltet sich in einem dreiphasigen Modell, bei dem jeder gestalterische Prozess direkt aus einem medien-theoretischen Impuls heraus materialisiert wird. Phase 1 bildet das Manifest, das die intellektuelle und analytische Auseinandersetzung festlegt. Hier werden die Theorien von Benjamin und McLuhan intensiv beleuchtet, Parallelen zur generativen Künstliche Intelligenz gezogen und ergründet, warum das genuin Menschliche unersetzbar bleibt.

Phase 2 bricht diese Theorie als Momentaufnahme in das soziale Experiment auf. Sie startet im urbanen Raum mit Werbeplakaten, deren QR-Code gleichzeitig als Logo fungiert. Hier wird eine funktionale Notwendigkeit direkt zu visuellem Design erhoben. Dieser Code bricht die von Benjamin beschriebene zerstreute Masse in ihrer passiven Alltagsrezeption auf.

Nach dem Scannen des Logos gelangen Nutzerin und Nutzer direkt zur Web-App und einer aktuell laufenden Frage. In einem definierten Zeitraum zum Gestalten haben die Teilnehmenden absolute Freiheit. Ob Foto, Zeichnung oder KI, das Medium ist frei wählbar, während im Hintergrund die Frage nach Zeitaufwand und Materialität verhandelt wird. Um unbeeinflusste Ergebnisse zu garantieren, öffnet sich das kollektive Archiv erst nach dem eigenen Upload.

Den Abschluss bildet Phase 3, die Präsenz des Printed Archive. Die jeweilige Frage wird final abgeschlossen und eingefroren, sodass keine weiteren Beiträge mehr gepostet werden können. Dieses Archiv wird in Form eines Flyers und eines Posters zum Aufhängen, auf dem alle Uploads dieser beendeten Runde inklusive des eigenen Beitrags abgebildet sind, als exklusives Goodie an die Teilnehmenden ausgehändigt.

Auf dem Flyer sind das konkrete Resultat und eine detaillierte Analyse der Runde abgedruckt. Er schlüsselt statistisch auf, wie viele Menschen zur KI gegriffen, fotografiert oder gezeichnet haben und welche ästhetischen Entscheidungen in Bezug auf Farbe und Medium getroffen wurden. Dadurch leistet das Printmedium gleichzeitig Bildungsarbeit. Es erreicht eine Zielgruppe, die sich zuvor noch nie kritisch mit dem Thema befasst hat, klärt spielerisch auf und sensibilisiert für den Wert der menschlichen Spur.

Auf dem Flyer befindet sich zudem bereits der neue QR-Code für die nächste, laufende Frage, was einen Sammeleffekt und subkulturellen Hype auslösen sollte. Gekoppelt an dieses Paket ist ein Schlüsselanhänger im Look der Plakate, der als Tool für ein organisches Seeding fungiert. Mittels Kabelbindern kann dieser von der Community selbstständig an neuen Transitorten angebracht werden. Die Zielgruppe erreicht sich dadurch automatisch, da niemand die ungenutzten Wartezeiten des Alltags besser kennt als sie selbst, womit sich der Kreislauf für jede neue Frage dynamisch wiederholt.