Lectures & Debates WS 2014/15

Orte der Demokratie

21.10.2014

Unter dem Titel "Orte der Demokratie" stellen sich die LECTURES & DEBATES 2014/15 der Herausforderung, die scheinbar paradoxen Aspekte gegenwärtiger Demokratiedebatten exemplarisch zu erfassen.

 

ORTE DER DEMOKRATIE

Steckt der Parlamentarismus in der Krise? Viele Menschen in der Europäischen Union würden diese Frage bejahen. Gleichzeitig würden sie wahrscheinlich nicht leugnen, dass sich große Segmente unserer Gesellschaft in einer bislang wohl nie gekannten Form demokratisieren. Diese gegenläufigen (aber nicht notwendigerweise widersprüchlichen) Tendenzen lassen sich verdeutlichen, wenn man die konkreten Orte betrachtet, an denen demokratisch legitimierte Entscheidungsprozesse stattfinden.

Unter dem Titel "Orte der Demokratie" stellen sich die LECTURES & DEBATES 2014/15 der Herausforderung, diese scheinbar paradoxen Aspekte gegenwärtiger Demokratiedebatten exemplarisch zu erfassen: nämlich in Bezug auf die Veränderungen der realen und virtuellen Räume, in denen pluralistische Meinungs- und Entscheidungsfindung passiert.

Im Wintersemester wird insbesondere die Institution Parlament in den Blick genommen: als gebaute Wirklichkeit, als historische Utopie und in seiner Interaktion mit den Phänomenen der temporären Platznahme, den Orten, an denen sich plebiszitäre Bewegungen formieren, den realen wie virtuellen Orten in den Print- ebenso wie in den vielfältigen neuen Medien, den Orten, an denen NGOs, Lobbys und andere Stakeholder miteinander agieren.

Eintritt frei!


Ort:
New Design University
Zentrum für Technologie und Design
Auditorium, 1. OG
(T1.01)
Mariazeller Straße 97a
3100 St. Pölten

 


Mittwoch, 5.11.2014, 19 Uhr
"MÜDE MOMENTE"

Christian Kühn & Harald Trapp

Architekt Christian Kühn hat an der TU Wien und an der ETH Zürich studiert. Seit 2000 ist er Vorsitzender der Architekturstiftung Österreich, seit 2008 Studiendekan für die Studienrichtungen Architektur und Building Science an der TU Wien. Darüber hinaus arbeitet Kühn als Ausstellungskurator, ist als Juror bei Architekturwettbewerben tätig und schreibt für Journale und Tageszeitungen, darunter Die Presse. Harald Trapp hat in München Soziologie und in Wien, London und Stuttgart Architektur studiert. Er ist Assistent am Institut für Architektur und Entwerfen an der TU Wien und Lehrbeauftragter an der School of Architecture der University of East London. Gemeinsam verantworten Kühn und Trapp den aktuellen österreichischen Beitrag zur Architekturbiennale Venedig 2014 – Kühn als Kommissär und Kurator, Trapp als Ausstellungskurator und -gestalter. In ihrem Vortrag spüren die beiden zwei problematische Entwicklungen in Bezug auf Parlamentsbauten auf, die auf eigentümliche und nicht zufällige Art miteinander verschränkt sind: eine Krise der politischen und eine Krise der architektonischen Repräsentation. Dabei werfen sie die Fragenstellungen auf: »Wo steht die Architektur in diesem Zusammenhang?« Und: »Wie reagiert sie international und im Falle des österreichischen Parlaments?«

www.labiennale.at


Mittwoch, 26.11.2014, 19 Uhr
"DER PARLAMENTARISCHE RAUM – FORUM UND MONUMENT DER DEMOKRATIE"
Andreas Schulz

Der apl. Professor für Neuere Geschichte war von 2001 bis 2007 Hochschuldozent an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Im Februar 2007 übernahm Schulz die Leitung des Generalsekretärs der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Die vom Deutschen Bundestag geförderte Forschungseinrichtung besteht sein 1952 und hat ihren Sitz in Berlin. Andreas Schulz hat zahlreiche Publikationen zur Kultur und Lebenswelt des neuzeitlichen Bürgertums veröffentlicht. Er ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Otto-von-Bismarck- Stiftung und der Stiftung Bundespräsident Theodor-Heuss- Haus. Zu seinen aktuellen Forschungsschwerpunkten zählen die vergleichende Geschichte parlamentarischer Kulturen in Europa und eine wissenschaftliche Edition des Briefwechsels des deutsch-jüdischen Schriftstellers Ludwig Börne. Andreas Schulz zufolge wird die politische Architektur der europäischen Hauptstädte wesentlich durch Funktions- und Bürogebäude der Parlamente und ihrer Administrationen geprägt. Im Kontrast zu ihrer räumlichen Ausdehnung verlieren Parlamente als nationale Diskussions- und Entscheidungszentren jedoch zusehends an politischer Bedeutung und laufen Gefahr, im grenzenlosen Raum medialen Agendasettings in eine Nebenrolle gedrängt zu werden.

www.kgparl.de



Mittwoch, 10.12.2014, 19 Uhr
"WER BRAUCHT NOCH DIE ZEITUNG?"
Armin Thurnher

Der renommierte österreichische Journalist Armin Thurnher ist Mitbegründer, jetzt Chefredakteur und Herausgeber der Wiener Wochenzeitung Falter, Miteigentümer des Falter-Verlags und Autor von zehn Büchern. Zuletzt erschien Republik ohne Würde (2013) bei Zsolnay. Thurnher lehrt Journalismus an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und an der Fachhochschule Wien. In seiner Lecture geht es nicht um Abgesänge oder trotziges Durchhalten wider den Zug der Zeit; sondern um einen Versuch, über das widersprüchliche Wesen der Zeitung zu reflektieren, über den mit ihr entstandenen Journalismus und die Probleme von Demokratie und Öffentlichkeit unter den Verhältnissen von Postdemokratie und digitalisierter Kommunikation. Dabei werden hochbrisante Fragen erörtert wie »Was stirbt, wenn wir sagen, die gedruckte Zeitung stirbt?«, »Was kann uns an diesem Tod erfreuen, was sollten wir daran bedauern?«, »Gibt es etwas an der Zeitung, das wir auf jeden Fall zu erhalten versuchen sollten?«

www.falter.at


Mittwoch, 7.1. 2015, 19 Uhr
"EUROPÄISCHE ARCHITEKTUR IM SPANNUNGSFELD ZWISCHEN KOMMUNIKATION UND REPRÄSENTATION"
Ines Soldwisch


Die Historikerin Ines Soldwisch arbeitete bisher an den Universitäten Greifswald, Rostock und Aachen. Nach einem beruflichen Intermezzo als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Europäischen Parlament in Brüssel widmet sie sich seitdem als Historikerin dem Europäischen Parlament als Kommunikations- und Handlungsort von Abgeordneten. Sie hält internationale Vorträge zu den Themen Liberalismus in der DDR, Theodor Heuss, Europäische Integration, Architektur im Spannungsfeld von Macht und Symbolik im europäischen Raum und hat bereits zahlreiche themenrelevante Publikationen herausgebracht. Seit mehr als sechs Jahrzehnten tagen die Abgeordneten des Europäischen Parlaments als Volksvertreter für die Bürger Europas. In dieser Zeit haben die Parlamentarier bis heute fünf Gebäude bezogen. Wen wundert es da, dass es kaum einem Ort zugeordnet werden kann und somit schwerlich wie ein nationales Parlament sinn- und identitätsstiftend wirken kann? In einem ersten Zugriff wird Soldwisch nach jenen Gebäuden fragen, in denen das Europäische Parlament getagt hat und welche Ausstrahlung sie nach außen vermittelt haben. Danach stellt sie zwei Perspektiven vor, die das Europäische Parlament und mit ihm die Gebäude als Kommunikationsort charakterisieren.

www.histinst.rwth-aachen.de


Einladung Lectures & Debates WS 2014/15 (PDF)


Die NDU Vortragsreihe "Lectures &Debates 2014" findet in Kooperation mit der HYPO NOE Gruppe und mit Unterstützung des Landes Niederösterreich statt.

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